Montag, 7. März 2016

Eine kleine Liebe

Ich sitze wieder am Fluss, aus dem Plan um 6 aufzustehen ist nichts geworden. Auf der Veranda nebenan zupft jemand auf einer Gitarre, aus dem Café auf der anderen Seite schwebt auch Musik rüber, manchmal kommt ein kleines Boot den Fluss rauf gefahren. Bei den Mönchen gegenüber scheppert eine Durchsage durch Lautsprecher, die Vögel zwitschern und ich schaue auf den Fluss, den riesigen Baum und den Tempel. Kaffee, Chia und frische, saftige  Mango vom Markt stehen auf dem kleinen Tischchen neben mir.

Mit dem Rad bin ich gestern in die Stadt gefahren, habe mich durch die vielen Autos, Roller und Gruppentaxis geschlängelt. Durch die Stadt bin ich gelaufen, das Rad habe ich an einem Tempel angeschlossen in der Hoffnung, dass dort niemand Fahrräder klaut. Die meisten Menschen sind vermutlich auch zu bequem es dann zu fahren. Bei der Hitze absolut verständlich.
Der Tempel war beeindruckend, einer der Wichtigeren. Auch Mönchsgesänge von noch sehr jungen Mönchen habe ich gehört. Spannend, zu beobachten wie sie sich von den Erwachsenen unterscheiden. Der Abt spricht mit deiner dunklen Stimme zu ihnen, nachdem sie die Meditation beendet haben. Viele von ihnen zappeln, richten ihre Kleidung aufwändig, es raschelt, sie jucken sich, schauen manchmal zur Seite. Auch ich sitze nicht still.  Die alt-eingesessenen Möche haben diese Unruhe abgelegt, das wird mir in diesem Moment bewusst. Das gerade ist ein Teil der Faszination, die sie ausmacht. Vor allem der Abt des Waldmönchstempels hat etwas faszinierendes. Meine unwissenheit im Bezug auf den Umgang mit ihm hat ihn zwar etwas hektischer werden lassen, doch das ist nichts im Vergleich zu meiner Unruhe. Nicht verwunderlich, ist er doch wenigstens kurz vor der Erleuchtung. Man weiß es nicht so genau, sagt Lars. Heute um 3 gehe ich zur Einführung  in die Meditation. Immer Montags, in einem Tempel in der Stadt. Wie großartig, wenn ich meine Zappeligkeit los würde.

Leider kann ich das Baumwollmuseum nicht besuchen. Eine Empfehlung von Lauryn und ein spannender Ort voller Tradition. Alles was man hier so findet und was als 'in Chiang Mai' bezeichnet wird, kann im Zweifel schon mal 70 Kilometer entfernt sein. Da wird das alleine Reisen doch ein bisschen zur Last, denn für einen ist das auch in einem günstigen Land ein kostspieliges Vorhaben.
Trotzdem mag ich meine Art zu reisen. Ich mache es mir gemütlich, erschließe mir die Gegend und suche mir etwas, wo ich mich unter die Menschen mischen kann die hier leben. Natürlich werde ich dadurch nicht weniger auffällig. Allerdings habe ich bisher auch noch nie ernsthaft angst um meine Sachen gehabt oder bin in bedrohlichen Situationen gewesen.
Heute werde ich auf einem Markt Stoff kaufen gehen, um mir in Bangkok eine Jacke schneidern zu lassen. Außerdem will ich endliche eine Massage genießen. Hier in Chiang Mai gibt es ein Rehabilitationsprojekt. Frauen aus dem Gefängnis lernen die Kust der Massage und arbeiten tagsüber in einem der 5 Massagesalons im Stadtzentrum. Dort werde ich mich durchkneten lassen. Es ist ein Nervenkitzel, der sicher schon in zahlreichen soziologischen Studien erforscht wurde. Ich bin schon sehr gespannt. Heute Abend wird in der Stadt wieder Lindy Hop getanzt. Ich muss noch herausfinden, wohin ich muss doch dank Internet vor jedem 7/11 ist das heute Abend ein Kinderspiel.

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